Qualitätsfleisch aus tiergerechter und umweltschonender Haltung

Gegenseitiges Interesse zeigten am Schweine-Auslauf von Ulrich Dingebauer (v.r.n.l.) Ministerin Heinen-Esser, Hugo Gödde, Christoph Dahlmann und Friedrich Ostendorff. Foto: Jasper

26.06.2019
Erstaunte Ministerin: „Es geht ja doch mit Ringelschwanz!“

NRW-Ministerin Heinen-Esser
besucht den NEULAND-Hof Dingebauer

NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser fragte genau nach, wie Schweinehalter Ulrich Dingebauer es hinbekommt, dass bei ihm alle Schweine einen intakten Ringelschwanz haben. Denn üblich ist in der Schweinehaltung in Deutschland und den meisten anderen EU-Ländern bisher, dass den Schweinen im Ferkelalter die Schwänze stark eingekürzt (kupiert) werden. Das soll verhindern, dass sich die Tiere gegenseitig beißen und schwer verletzen.

Ulrich Dingebauer empfing die Ministerin Mitte Juni auf seinem Hof in Castrop-Rauxel. Hier haben die Schweine doppelt so viel Platz wie gesetzlich vorgeschrieben. Der Stall ohne Spaltenboden ist mit Stroh eingestreut, mit dem sich die Tiere viel beschäftigen. Und sie haben einen Auslauf ins Freie, den sie bei jedem Wetter nutzen. „Hier draußen koten die Tiere ab. Den Innenbereich im Stall halten sie dagegen rein und trocken“, beschreibt Dingebauer, während er mit der Ministerin am Auslauf mit den neugierigen Schweinen steht. „Wie oft kommt es hier zum gegenseitige Schwanzbeißen?“, will die Ministerin wissen. Das komme bei ihm nur alle paar Jahre einmal vor. Dann werde das Einzeltier umgehend aus der Gruppe genommen. Das gefürchtete Schwanzbeißen sei bei seinen Tieren kein Problem, versichert Dingebauer. „Es geht also doch“, kommentiert Heinen-Esser anerkennend und blickt auf ihren mitgereisten Mitarbeiter aus dem Fachreferat.

Familie Dingebauer mästet seit 30 Jahren Schweine und Hühner nach den Richtlinien des NEULAND-Programms für tiergerechte und umweltschonende Nutztierhaltung. Entwickelt worden sind die Richtlinien gemeinsam vom Deutschen Tierschutzbund, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Bauern aus der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL). Diese drei Verbände sind bis heute die Träger des NEULAND-Vereins und Hüter der Richtlinien.

„Ohne NEULAND wäre ich heute kein Vollerwerbsbetrieb mehr“, sagt Dingebauer. „Alle Berater haben mir damals gesagt, ich soll lieber einen anderen Beruf machen. Mein Hof sei viel zu klein, nicht existenzfähig.“ So lernte er zwar zunächst Schlosser. Aber seinen Traum, „richtiger Bauer“ zu werden, setzte er um, als er NEULAND kennenlernte. Jetzt studiert Tochter Uta Landwirtschaft und will dann in den Betrieb einsteigen. Wirtschaftlich ist die aufwendigere Tierhaltung für Familie Dingebauer, weil die Kunden entsprechend mehr für das NEULAND-Fleisch bezahlen. Einige Kunden kommen direkt in den Hofladen. Die Vermarktung der übrigen Tiere läuft über einen Zerlegebetrieb in Bergkamen, den sich die westfälischen NEULAND-Bauern gemeinsam mit Biobauern aufgebaut haben. Dort werden sich Dingebauer und Heinen-Esser bald wiedersehen. Denn im September wird der große Erweiterungsbau eröffnet und eingeweiht – da darf die NRW-Ministerin nicht fehlen.

Bis September soll auch agrarpolitisch einiges vorangehen, versprach Heinen-Esser. Ihr Ministerium werde dann eine Nutztierstrategie für NRW vorlegen. Darin sollen Maßnahmen aufgezeigt werden, wie die gesamte landwirtschaftliche Tierhaltung im Land noch mehr Tierschutz umsetzen kann. „Die Betriebe brauchen dafür Unterstützung, aber wir müssen insgesamt weiterkommen“, sagte Heinen-Esser.

Autor: Ulrich Jasper