Qualitätsfleisch aus tiergerechter und umweltschonender Haltung

17.02.2020
Borchert-Bericht: Aussicht auf mehr Tierwohl?

Am 11. Februar übergab das „Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung“ seine Vorschläge zum Umbau der Nutztierhaltung bis 2040 an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Um was geht’s in dem Bericht des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung, geleitet von Bundesminister a.D. Jochen Borchert (ehem. Landwirtschaftsminister), genau? Es geht um die Herausforderungen, vor denen die Nutztierhaltung in Deutschland steht: Tierschutz und Tierwohl, Klimaschutz, Nachhaltigkeit. Und es wird deutlich gemacht, dass die aktuelle Nutztierhaltung nicht zukunftsfähig und schon gar nicht im Sinne der Verbraucher ist. Zumindest nicht im Sinne derer, die ein Bewusstsein dafür haben, woher Fleisch, Milch und Eier kommen, die sie im Supermarkt kaufen.  Da muss grundlegend was passieren, so der gesellschaftliche Konsens, der in den vergangenen Jahren stetig zugenommen hat.

„Jetzt haben es alle nochmal schriftlich: Es geht nicht weiter wie bisher. Die Empfehlungen des Kompetenznetzwerks lassen hoffen. Es scheint sich etwas zu bewegen, auch wenn bei der Umsetzung im Detail aus Tierschutzsicht weitere Verbesserungen nötig wären“, kommentiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Auch Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, begrüßte das Positionspapier: „Die Zielvorgaben des Kompetenznetzwerks sind schlüssig.“ Ostendorff bemängelte allerdings, dass darin ein Bekenntnis zu ordnungsrechtlichen Maßnahmen fehle. Olaf Bandt, Vorsitzender Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), betonte, dass bei der Umstrukturierung vor allem die Haltungskennzeichnung ein wichtiger Schritt sei: „Wo Tierwohl draufsteht, muss in Zukunft auch Tierwohl drin sein.“ Da ist NEULAND ein Paradebeispiel, wo sich die Tierhaltung in Zukunft hinbewegen soll. Das Qualitätsfleisch aus besonders tiergerechter Haltung steht für die Premium-Stufe bei der Haltungskennzeichnung. Für eine langfristige Umstellung und Planungsicherheit benötigen die Bauern aber ganz klar eine gesetzliche Verankerung der Kennzeichnung, andernfalls kann der Umbau nicht gelingen. Und auch die Verbraucher können anhand dieser Kennzeichnung beim Einkauf gezielt für mehr Tierwohl sorgen. Doch so eine Umstrukturierung der Nutztierhaltung kostet Geld, viel Geld. Der jährliche Förderbedarf wird in dem Papier auf bis zu 3,6 Mrd. Euro im Jahr 2040 geschätzt.

Die entscheidende Frage ist mal wieder, wie sich der Umbau der Tierhaltung finanzieren lässt. Landwirtschaftliche Betriebe sollen die daraus entstehenden Mehrkosten durch eine staatliche Tierwohlförderung und Tierwohlprämien stemmen können. Denn ein sinnvoller Wandel lässt sich nur MIT der Landwirtschaft, nicht gegen sie durchsetzen. Markenfleischprogramme wie NEULAND sollen zusätzlich höhere Verkaufspreise garantieren. Politik, Wirtschaft und Verbraucher müssen also letztendlich an einem Strang ziehen. Und, ganz wichtig: Das Papier darf jetzt nicht unter irgendeinen Ministeriumstisch fallen, sondern muss als Richtschnur für einen überparteilichen Konsens dienen. Wenn die Vorschläge jetzt politisch umgesetzt werden, bekäme die Tierhaltung in Deutschland wieder eine Zukunft, kommentierte Martin Schulz, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), die Ansätze. Er ist zuversichtlich, denn dem Vorsitzenden Jochen Borchert und allen Mitgliedern sei es gelungen, sich in intensiven Diskussionen auf einen starken politischen Lösungsansatz zu einigen. „Das ist ausgesprochen ermutigend angesichts der vielfach angespannten Situation auf den Höfen“. Und wir als Verbraucher müssen dann an der Fleischtheke auch bereit sein, fürs Tierwohl tiefer in die Tasche zu greifen.


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