Qualitätsfleisch aus tiergerechter und umweltschonender Haltung

Fragen und Antworten

Werner Reutegger, GF der schweizer Firma Agrocomp demonstriert die Inhalationsnarkose.

Warum ist die Ferkelkastration ein Thema in der Öffentlichkeit?

Gemäß fachlicher Praxis und unter Beachtung des deutschen Tierschutzgesetzes werden männliche Schweine bis zum 7. Lebenstag ohne Betäubung und Schmerzausschaltung kastriert. Für den Deutschen Tierschutzbund, Trägerverband des NEULAND e.V., ist das unbetäubte Kastrieren von 20 Millionen Ferkeln in Deutschland jedes Jahr schon sehr lange ein Thema. Mit medienwirksamen Kampagnen und Aufklärung der Verbraucher soll der Druck auf die Politik verstärkt und endlich eine Änderung des deutschen Tierschutzgesetzes erreicht werden. Ferkel sollen zukünftig nur noch betäubt und unter Schmerzausschaltung kastriert werden. Unsere europäischen Nachbarn sind teilweise schon weiter: Die Schweiz verbietet seit 2009 gesetzlich die unbetäubte Kastration. Der Handel in den Niederlanden hat freiwillig zugestimmt, ab 2009 kein Fleisch mehr zu verkaufen, das von unbetäubt kastrierten Ferkeln stammt.

Warum werden Ferkel überhaupt kastriert?

Wenn männlichen Schweine geschlechtsreif werden, entsteht durch bestimmte Hormone ein unangenehmer Geruch, der auch ins Fleisch übergeht. Beim Braten oder Kochen verstärkt sich dieser Geruch und Geschmack. Auch wenn das Fleisch hygienisch einwandfrei ist, es ist dennoch ungenießbar.
Die Kastration verhindert die Geschlechtsreife, die Hormonbildung und somit den Geruch. Versuche bei NEULAND haben ergeben, dass solches Fleisch teilweise so stark roch, dass es weggeworfen werden musste. Das ist ethisch und wirtschaftlich nicht vertretbar. Es ist außerdem nachgewiesen, dass es große Unterschiede in der Empfindlichkeit des Konsumenten gibt. In Deutschland reagieren die Konsumenten sehr sensibel auf Fleisch, das beim Kochen/Braten einen unangenehmen Geschmack entwickelt.

Wie war das bisher bei NEULAND?

Auch bei NEULAND wurden vor 2008 die Ferkel bis zum 7. Tag ohne Betäubung durch den fachkundigen Landwirt kastriert. Das ist gemäß Tierschutzgesetz gestattet. Eine echte Alternative war in der betrieblichen Praxis nicht vorhanden. Die Landwirte haben sich jedoch schon lange eine, für alle Beteiligten, stressfreiere Methode gewünscht.

Warum hat NEULAND, das vom Deutschen Tierschutzbund mit initiiert wurde, nicht schon früher unter Betäubung kastriert?

Bisher gab es keine verlässlichen Verfahren. Die einzige Möglichkeit war die Ebermast. NEULAND hat bereits 2001 das Thema gemeinsam mit dem Dt. Tierschutzbund aufgegriffen und einen Ebermastversuch mit anschließender Verkostung in einer NEULAND Metzgerei durchgeführt. Ein weiterer Ebermastversuch wurde im Frühjahr 2008 durchgeführt. Auch hier gab es das Problem der sogenannten „Stinker“. Diese Tiere besitzen den typischen Ebergeruch und sind deshalb nicht vermarktbar. Aktuell gibt es nur die Möglichkeit der Geruchsprobe, diese ist aber sehr subjektiv und kann nur bei einer geringen Anzahl von Tieren durchgeführt werden. Hätte man die Möglichkeit, die Tiere am Schlachtband auszusortieren, bestünde die Möglichkeit der Ebermast, so wie in England und Spanien, wo diese traditionell durchgeführt wird. Allerdings werden die Tiere dort sehr jung und somit entsprechend leicht geschlachtet. Erst die Gesetzgebung in der Schweiz und die dort durchgeführten Forschungen haben uns jetzt neue Möglichkeiten geboten, auf welche NEULAND auch umgehend reagiert hat.

Was macht NEULAND jetzt anders?

NEULAND hat seit 1. Mai 2008 seine Richtlinien für Schweinehaltung geändert. Ferkel dürfen nur noch unter Betäubung und Schmerzausschaltung kastriert werden. Die Schweizer Firma Agrocomp hat ein spezielles Inhalations-Narkosegerät für Ferkel entwickelt und erprobt. Da eine Betäubung mit dem Inhalationsgas Isofluran in Deutschland nur von einem Tierarzt durchgeführt werden darf, fahren Tierärzte mit den Geräten von Hof zu Hof und führen die Kastration durch.

Wie viele NEULAND Betriebe setzen dieses Verfahren ein?

Bei 100% der Ferkel erzeugenden Betrieben (35 NEULAND Höfe) wird die betäubte Kastration durchgeführt. Rund 13.500 Ferkel pro Jahr werden nach den neuen Richtlinien kastriert.

Wie muss man sich den Ablauf einer solchen Kastration vorstellen?

Das Ferkel quiekt nur kurz beim Hochnehmen und Ablegen in das Betäubungsgerät mit der Inhalationsmaske. Dann wirken nach wenigen Sekunden die Narkose mit Isofluran und ein Schmerzmittel. Nach ca. 1 Minute Einwirkzeit verschläft es die, in wenigen Sekunden durchgeführte, Kastration und anschliessende Desinfektion des kleinen Schnittes. 2-4 Minuten danach erwacht das Ferkel neben seinen Geschwistern auf Stroh. Zurück im Stall ist der Eingriff schnell vergessen; die Ferkel saugen rasch wieder bei der Muttersau.

Welche Vorteile ergeben sich noch – für Tier und Mensch?

Bei der Kastration mit Betäubung ist es im Stall viel ruhiger als zuvor bei der Unbetäubten. Da die Ferkel nicht so viel quieken, sind die Muttersauen entspannter. Der Landwirt kann ruhig mit dem Tierarzt zusammen arbeiten, der Zeitmehraufwand ist unerheblich und durch die Ruhe im Stall ist auch für ihn der Vorgang stressfreier. Alle Ferkelerzeuger sind sich einig darüber, dass die Inhalationsnarkose Ihnen und den Tieren sehr viel Stress erspart.

Welche Alternativen gibt es zur betäubungslosen Ferkelkastration?

Andere Länder (z.B. Großbritannien, Spanien) betreiben Jungebermast, schlachten diese also viel leichter und jünger als hier in Deutschland. Damit würden für die Produktion der gleichen Menge Schweinefleisch noch mehr Tiere benötigt werden. Diese stehen, auch bei artgerechter Haltung, unter dem Stress der Geschlechtsreife, Rangfolgekämpfe und dadurch auftretender Verletzungen.
In Australien wird schon seit einigen Jahren die Immunokastration durchgeführt. Dabei werden den männlichen Schweinen zwei Injektionen verabreicht (davon eine 4 Wochen vor der Schlachtung), welche die Bildung der Geruch verursachenden Hormone unterbindet. Das Mittel ist in der EU aber noch nicht flächendeckend zugelassen. Damit sind beide Alternativen zur Zeit in Deutschland nicht praxistauglich.

Wird NEULAND Schweinefleisch zukünftig mehr kosten?

Das Narkosegerät, die Wartung des Gerätes, das Narkosegas, die Medikamente und der Tierarzt kosten Geld. Dieses Kosten tragen aktuell die Landwirte und die Vermarkter. Je produziertem Schwein fallen dabei ungefähr vier EUR an. Diese Kosten werden mittelfristig an die Metzger und somit letztendlich an den Verbraucher weitergegeben werden. Umgerechnet auf 100 Gramm Wurst oder Fleisch beträgt der Preisaufschlag an der Theke damit zukünftig maximal 7 Cent. Ab wann dieser Preisaufschlag tatsächlich an die Kunden weitergegeben wird ist noch offen.

Flyer zur Ferkelkastration (1 Mb)
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