Pressemitteilung vom 13.11.08
Positionspapier von NEULAND zur Praxistauglichkeit von Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration
Der Tierschutz muss in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung einen besonderen Stellenwert genießen. Dies ergibt sich aus der Verpflichtung zum Staatsziel im Artikel 20 a, des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, die im Mai 2002 mit parteiübergreifender Mehrheit eingeführt wurde. Eine weitere Verpflichtung ergibt sich aus unserer ethischen Verpflichtung gegenüber der Schöpfung. Die im deutschen Tierschutzgesetz verankerte Ausnahmeregelung zur betäubungslosen Ferkelkastration bis zum Abschluss der ersten Lebenswoche, kann nur solange Bestand haben, wie es keine Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration gibt.
Das NEULAND-Qualitätsfleischprogramm aus besonders tiergerechter Haltung hat deshalb sich im letzten Jahr in der Schweiz über die Ergebnisse des Forschungsprojekte „pro Schwein" informiert und die Ferkelbetäubung mit Isofluran mit Schmerzbehandlung des postoperativen Wundschmerzes als zur Zeit bestverfügbares Verfahren ausgewählt.
Seit Mai 2008 wird bei 34 NEULAND-Sauenbetrieben das Verfahren im Einzelbetrieb und überbetrieblich angewendet. Damit ist NEULAND das erste Programm was bisher Erfahrungen in der Praxis auf diesem Gebiet gesammelt hat. Das Betäubungsmittel Isofluran ist ein modernes Betäubungsmittel, welches auch in der Humanmedizin eingesetzt wird.
Im gemeinsamen Einsatz mit z.B. Metacan kann eine erhebliche Schmerzlinderung für den prä- und postoperativen Schmerz erreicht werden. Isofluran kann aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen nur durch einen Tierarzt im Rahmen der Umwidmung eingesetzt werden, da bisher nur eine Zulassung für Hund, Katze und Pferd erteilt wurde.
Die bisherigen Erfahrungen bei NEULAND sind bezüglich der technischen Durchführbarkeit, der Wirksamkeit und des Arbeitsschutzes als positiv zu bewerten. Die Betäubungstiefe wird als ausreichend empfunden. Es entsteht kein zusätzlicher Stress für die Ferkel. Die Betäubungsdauer und Aufwachphase sind kurz, so dass ein schnelles Saugen wieder erfolgen kann. Im überbetrieblichen Einsatz müssen besondere Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Eine genaue Kostenermittlung konnte noch nicht durchgeführt werden. Im überbetrieblichen Einsatz können noch Kosten reduziert werden, wenn es in einer Region mehrere Betriebe gibt und die Gerätekosten bei industrieller Serienproduktion günstiger werden. Momentan liegen die Kosten bei NEULAND zwischen 4 - 8 € pro kastrierten Ferkel, was einer Verteuerung von 2 -4 ct/kg Schlachtgewicht auf alle Schweine bedeuten würde.
Aufgrund der Kampagne des Deutschen Tierschutzbundes sowie der Entwicklungen in der Schweiz und in den Niederlanden haben die Wirtschaftsbeteiligten aus Erzeugung, Verarbeitung und Handel in der Düsseldorfer Erklärung vom 29.9.08 beschlossen den Einsatz von Mitteln zur Schmerzbehandlung bei der Ferkelkastration einzusetzen. Der QS-Beirat ist dieser Empfehlung am 21.10.08 gefolgt. Klar sollte an dieser Stelle sein, dass die Schmerzbehandlung nur den postoperativen Wundschmerz betrifft und nur ein erster Schritt sein kann. Ein Hemmnis für den flächendeckenden Einsatz der Isofluranmethode ist sicherlich die Tierarztpflicht und die fehlende Zulassung.
Daher scheint das in den Niederlanden entwickelte Verfahren der CO²/O²-Betäubung für Deutschland interessant, vorausgesetzt der Landwirt kann die Betäubung eigenständig durchführen und die Betäubungstiefe und die Schmerzausschaltung ist ausreichend. Dazu müssen noch Studien durchgeführt werden.
Die Immunokastration kann dann eine Alternative sein, wenn es am Schlachtband eine 100 % tige Sicherheit gibt und die Verbraucherakzeptanz vorhanden ist.
Auch wird die Ebermast in Deutschland vor Akzeptanzprobleme stoßen. Züchterische Bemühungen und Spermasexing sind langfristige Projekte.
Wir sind daher gut beraten, als mittelfristige Zwischenlösung, Betäubungsverfahren weiterzuentwickeln, deren grundsätzliche praxistaugliche Eignung heute schon bewiesen ist. Gesetzesinitiativen vom Bundestag und der Europäischen Union werden kommen. Früher oder später.
(Zeichenanzahl inkl. Leerzeichen: 4302)