Pressemitteilung vom 05.03.09
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Belsdorf, den 05.03.09
Anlässlich einer Fachdiskussion von Bio-Austria am 03.03.09 in St.Pölten hat der Bundesgeschäftsführer von NEULAND e.V. Jochen Dettmer, die Praxistauglichkeit der Insofluran- Betäubung bei der Ferkelkastration herausgestellt und über die Erfahrungen bei NEULAND in Deutschland berichtet. Bio-Austria hat sich über mögliche Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration informiert, da die EU-Bioverordnung ab 01.01.2012 die betäubungslose Ferkelkastration verbietet.
Nachfolgend veröffentlicht NEULAND die Zusammenfassung des Vortrages.
Die Diskussion um Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration in der Schweiz hat bei NEULAND zu einer erneuten Diskussion zur Ferkelkastration geführt. Die im November 2007 in Bern vorgestellten Ergebnisse haben NEULAND veranlasst, das Verfahren mit Isofluranbetäubung der Firma agrocomp in die engere Wahl zu ziehen. Nach einer Probevorführung hat der NEULAND-Vorstand im April 2008 eine Richtlinienänderung beschlossen, die vorsieht die betäubungslose Ferkelkastration auf NEULAND-Betrieben zu verbieten. Seit Mai 2008 findet bei 34 NEULAND Sauenbetrieben die betäubte Kastration statt.
Die männlichen Ferkel werden aus hygienischen Gründen in einen gesonderten Raum außerhalb des Sauenstalles gebracht. Vor der Betäubung erhalten die Ferkel ein Schmerzmittel zur Abdeckung des Wundschmerzes nach der Narkose (postoperativer Schmerz). Danach werden die Ferkel in einem Alter von bis zu 10 - 14 Tagen mit dem Behandlungswagen der Firma agrocomp betäubt. Die Betäubungsmasken sind mit speziellen Ventilen ausgestattet, über die das Narkosemittel Isofluran in Gasform von den Ferkeln aufgenommen wird. Die durchschnittliche Dauer zur Einleitung der Narkose dauert 80 Sekunden. Die Ferkel schlafen ruhig ein. Nach Aufleuchten eines grünen Signals kann die Kastration erfolgen. Nach Absetzen dauert es ca. 2-3 Minuten bis die Ferkel wieder vollständig wach sind. Isofluran ist ein modernes Narkosegas, welches in der Humanmedizin und in der Veterinärmedizin bei Hunden, Katzen und Pferden angewendet wird. Da Isofluran ein klimaschädigendes Gas ist, wird das überschüssige Isofluran abgesaugt und in einem Filter gesammelt, der dann als Sonderabfall deponiert wird.
Die Betäubung muss in Deutschland vom Tierarzt durchgeführt werden. In der Schweiz darf nach einem Sachkundelehrgang der Landwirt selbst die Betäubung durchführen.
Bei NEULAND kommen aus Kostengründen zwei Verfahren zur Anwendung:
Die Erfahrungen bei NEULAND zeigen, dass das Verfahren aus arbeitswirtschaftlicher Sicht als positiv einzuschätzen ist. Die Arbeitsqualität nimmt zu, da der Stress für die Ferkel weg fällt. Die Arbeitsabläufe sind erheblich ruhiger. Die Arbeitssicherheit ist durch das Filtern von Isofluran gegeben. Insgesamt ist aber mit einem etwas höheren Arbeitsaufwand zu rechnen.
Aus Sicht des Tierschutzes ist das Verfahren unter den Betäubungsverfahren als bestmögliches Verfahren zu bewerten. Aus den Erfahrungen bei NEULAND findet eine hohe Schmerzreduzierung bei der Kastration durch die Isofluranbetäubung statt. Eine zusätzliche Stressbelastung findet nicht statt. Durch das schnelle Aufwachen sind auch kein Wärmeverlust und keine Unterbrechung der Säugephase zu verzeichnen.
Die Kosten der Isofluranbetäubung hängen von verschiedenen Kosten ab, ob im Einzelbetrieb oder im überbetrieblichen Einsatz. NEULAND hat bisher Kosten ermittelt, die zwischen 4 und 8 € pro kastrierten Ferkel liegen, was eine Verteuerung von ca. 2-4 ct/kg Schlachtgewicht bezogen auf alle Schweine bedeuten würde.
Eine Kostenanalyse für die NEULAND GmbH Bad Bevensen ergab bei ca. 12.000 Ferkeln reine Verfahrenskosten von 5,00 € pro kastrierten Ferkel ohne die Geräteanschaffung.
Dabei gliedern sich die Kosten in:
35 % Tierarzt, 26 % Reisekosten, 30% Medikamente, Sauerstoff und 9 % in sonstiges (Overall, Stiefel etc.).
Die Anschaffungskosten für ein Gerät liegen bei ca. 9.000 €. Kostensenkungen können durch Senkung der Tierarztkosten (überbetrieblicher Einsatz) bzw. durch die Handhabung durch den Landwirt selber und die industrielle Serienproduktion erreicht werden. Beim überbetrieblichen Einsatz sind kurze Wege in einer Region wichtig.
Generell schätzt NEULAND das Verfahren als praxistauglich ein.
Vorteil: gute praktische Durchführbarkeit, hoher Tierschutz, kein Kastrationsstress, kurze sichere Narkose, gute Arbeitsqualität.
Nachteil: Hoher apparativer Aufwand mit hohen Kosten. Nur vom Tierarzt durchführbar.
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie unter:
www.agrocomp.ch
www.ferkelprotest.de
und in weiteren Pressemitteilungen hier auf unserer Seite.
(Zeichenanzahl inkl. Leerzeichen: 6348)