Qualitätsfleisch aus tiergerechter und umweltschonender Haltung

23.07.2020
Stellungnahme des NEULAND e.V. zur Schlachtung und Verarbeitung von NEULAND-Schweinen bei Tönnies und Vermarktung bei Aldi

 

Berlin/ Belsdorf, den 23.7.2020

Der NEULAND-Verein und die NEULAND-Vermarkter sind seit 1988 Pioniere der tiergerechten und umweltschonenden Nutztierhaltung. Während der Gesetzgeber politisch seit Jahren unzureichend handelt und Kommissionen einrichtet, macht das NEULAND-Programm den Verbraucher*innen ein Angebot. Der NEULAND-Verein vermarktet selbst keine Fleisch- und Wurstwaren. Die Vermarktung überlässt er den eigenständigen Vertriebsgesellschaften, deren Warenströme durch eine externe Kontrollstelle, im Auftrag des NEULAND -Vereins, kontrolliert werden.

Um in der Breite Tierschutz zu stärken und weiteren Kundenkreisen den Kauf von NEULAND-Produkten zu ermöglichen, hat der NEULAND-Verein die Erweiterung des Vertriebes in den Lebensmitteleinzelhandel unterstützt.

Seit August 2018 lässt die NEULAND-Fleischvertriebs GmbH (Sitz in Bergkamen) 50 bis 60 Schweine pro Woche bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück schlachten. Die Ware wird in ausgewählten Filialen unter dem Programm „Fair und gut“ bei ALDI Süd und Nord angeboten. Die Verarbeitung und Auslieferung findet aus logistischen Gründen bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück statt. Das war aufgrund der dort gegebenen technologischen Möglichkeiten eine Empfehlung von Aldi Süd und Nord. Bei der Verarbeitung und Auslieferung wurden die Kriterien zum Umgang mit dem Tier, die der Neuland -Verein mit seinen Richtlinien (www.neuland-fleisch.de) zwingend vorschreibt, nach bisherigem Kenntnisstand, eingehalten. Die Warenströme wurden strikt von den Produktionen für andere Vermarkter – konventionell und Bio – getrennt.

Die NEULAND-Fleischvertriebs- GmbH hat die Problematik der Werkverträge mehrfach kritisiert. Der Umgang mit den Betroffenen war allerdings bisher legal, der Gesetzgeber hat bis heute keinen ausreichenden ordnungsrechtlichen Rahmen gesetzt.

Die NEULAND-Fleischvertriebs GmbH hat mit Aldi und Tönnies einen mehrjährigen Dreiecksvertrag abgeschlossen. Eine vorzeitige Vertragsänderung ist nur im Einvernehmen aller Vertragspartner rechtlich möglich. Dazu finden Gespräche statt, an denen der NEULAND-Verein nicht beteiligt ist. Der NEULAND -Verein wünscht keine Verlängerung des Vertrages unter den heutigen Bedingungen und unterstützt die Suche nach Alternativen. Dafür müssen sich die politischen Rahmenbedingungen ändern und eine Re-Regionalisierung von Verarbeitung und Lieferketten im Lebensmittelhandwerk erfolgen. Der NEULAND-Verein wird mit seinen Trägerverbänden diesen Prozess unterstützen.

Die Kontrolle der Einhaltung arbeitsrechtlicher Bedingungen durch Subunternehmen ist Aufgabe der staatlichen Organe und durch sie zu verantworten. Die Nichtumsetzung der eigenen Selbstverpflichtungserklärung im Sinne der Umwandlung von Werksverträgen in Stammbelegschaft hat die NEULAND Fleischvertriebs GmbH in Gesprächen mit Konzernverantwortlichen immer kritisiert.

Der NEULAND-Verein und die NEULAND-Vermarkter unterstützen die Bundesregierung beim Verbot von Werkarbeitsverträgen in der Schlachtbranche. Das politische Ziel bleibt die Stärkung von regionalen Schlacht- und Verarbeitungsstrukturen, in denen Tier- und Umweltschutz, aber auch die höchsten Standards für Arbeitnehmerschutz umgesetzt werden.

Zur Wahrheit gehört, dass Menschen Fleisch essen. Dafür werden Tiere geschlachtet. Der Tönnies-Skandal ist eine Systemfrage. In den letzten Jahrzehnten ist mit politischer Rückendeckung ein System aufgebaut worden, das eine Zentralisierung forciert hat. Kleinere Betriebseinheiten können nicht mithalten. Programme, die sich im Schwerpunkt dem Tierschutz widmen und in der Breite als Angebot für die Verbraucher*Innen wachsen wollen, werden mit diesen Strukturen konfrontiert. Das ist ein Zielkonflikt, den die auf Exportsteigerung abzielende Bundes- und Landespolitik der letzten Jahrzehnte zu verantworten hat – mit den daraus resultierenden Strukturen und einem geradezu mörderischen Preisdruck. Unsere Haltung dazu ist eindeutig: Wir lassen nicht zu, dass sich die eigentlich Verantwortlichen wegducken: Die gewählten Bundes- und Landespolitiker, die ein System haben wachsen lassen, vor dessen Folgen für Tier und Mensch wir immer gewarnt haben.

Für Rücksprachen steht der Vorstandssprecher von NEULAND e.V., Jochen Dettmer zur Verfügung.